Wing Chun....eine einfache Kampfkunst?

Wing Chun….eine einfache Kampfkunst?

Als ich anfing Wing Chun zu lernen, dachte ich mit ein bisschen Glück geht es schnell, weil so schwer kann das ja nicht sein….oder sagen wir die Hoffnung begabt zu sein war noch vorhanden. Das endete schnell….Nach einigen Jahren der Suche, Trainingsweisen die nicht immer zusammen passten und mich verwirrten, landeteMarc Debus und Olaf Buschke ich bei Sifu Lo Man Kam…..und er sagte als erstes….“dann fangen wir mal von vorne an“….aber was macht man nicht alles….Leider behinderte mich zuerst der Glaube an vorher Gelerntes sehr, bis Sifu mich auch davon geheilt hat. Seine Erklärungen waren dann zum Glück immer logisch und so ging es in kleinen Schritten vorwärts…..und außerdem war ich nicht allein….Frank, Olaf und Andreas haben mich auf meinem Weg begleitet…..und das war gut so.

Wir haben uns gegenseitig über manche persönliche Krise hinweggeholfen, die bei schwierigen Trainingsschritten auftraten und sicherlich auch dadurch den Willen beibehalten dieses System zu erlernen. Sifu war immer der Situation entsprechend hart was das Training anging und hat nie lockergelassen. Wenn er der Meinung war, dass die Zeit zu kurz ist und wir viel zu üben hatten, dann kamen die Nachmittage zum Training hinzu. Das bedeutete manchmal sieben oder acht Stunden Training am Tag. Zwar war es nicht immer so, aber es war auch nicht die Ausnahme.

Auf diesem Weg gingen auch einige Trainingskollegen verloren, die anfangs auch bereitGorden Lu and Marc Debus waren den Weg unter Sifu Lo Man Kam zu gehen, aber aus unterschiedlichen Gründen aufgegeben haben, als sie an ihre Grenzen (welche auch immer das waren) geraten sind. Für manchen war ein Titel, eine Reputation oder ein Name zum unterrichten des Wing Chun Kung Fu vorrangig und ein wirklicher Lernweg, der zudem auch nicht in ein zwei Jahren zu bewältigen war, eher Zweitrangig. Das konnte uns aber nicht beirren und so trainierten wir weiter.

Es kam die Zeit in der die ersten  unserer Schüler mit nach Taiwan reisten und selbst unter Sifu Lo Man Kam die ersten Trainingserfahrungen machten. Das war in den meisten Fällen eine Bereicherung und wir konnten viele gute Abende während der Trainingsaufenthalte genießen (die wirdann NICHT mit Training  verbrachten). Und so ging es weiter. Jede weitere Form stellte neue Herausforderungen an die mentale oder körperliche Kraft und man freute sich über jeden kleinen Fortschritt den man machte. Manche Bewegungen erforderten hunderte….bzw. tausende von Wiederholungen, bis sie sich gut und anwendbar anfühlten. ….aber irgendwann klappte es immer. Bei dem einen schneller, bei dem Anderen langsamer.  Mehr als einmal spielte ich mit dem Gedanken aufzuhören, wenn mir etwas sehr schwer gefallen ist, aber die Freunde waren immer zur Stelle und bewegten mich zum Weitermachen…..oder ich sie.

Gorden and Marc in Virginia BeachDann kamen die Trainingsaufenthalte bei Sifus Sohn Gorden hinzu. Hier beschäftigte ich mich mit bereits Erlerntem und der Longbridge des Systems. Auch hier war das Training wie in Taipeh. Oft sehr lange und anstrengend, aber immer eine echte Bereicherung. Mit Gorden ist eine echte Freundschaft entstanden und ich freue mich immer wieder auf die Besuche bei ihm und seiner Familie. Auch die Familie von Sifus Tochter Shirley und ihrem Mann Charly, der mit mir zusammen viele Trainingsstunden verbracht hat, haben mich immer herzlich willkommen geheißen. Die Aufnahme in die Familie durch die Teezeremonie bei Sifu Lo Man Kam, hat dieses familiäre Verhältnis nur noch untermauert.

So folgte weiterhin Form nach Form und Anwendungstraining nach Anwendungstraining. Unzählige Abende der Diskussion über Techniken, Winkel, Druckverhältnisse, Kontermöglichkeiten, Strategien und Positionen….und letztendlich auch der Tag, an dem Sifu verkündete das Training sei abgeschlossen. Es dauerte Tage bis wir dies auch nur annähernd realisiert hatten. Nach 15 Jahren war dies schier unglaublich…Yoda hätte gesagt „Meister du bist“.

Trotz allem ist dies nicht das Ende ….im Training mit Sifu Lo Man Kam oder seinem SohnSifu Lo Man Kam mit Andreas und Marc Gorden Lu, den Mitschülern und Freunden lernt man stetig dazu….neue Wege, Ideen und Trainingspartner stellen immer wieder Inspirationen dar und werden dies auch in zwanzig Jahren noch tun….und das freut mich sehr, weil Stillstand den Tod der Kunst bedeuten würde. Sich auf einem Titel auszuruhen oder zu glauben, das Ende des Formentrainings würde einem zum Großmeister machen wird einem bestimmten Charakterzug von Mensch vorbehalten bleiben. Ich für meinen Teil freue mich über jede Inspiration, die mir neue Wege zeigt die Bewegungen der Kunst die ich gelernt habe zu verwenden….und daran werde ich wohl auch nie den Spaß verlieren.