Eine Armlänge Abstand

Eine Armlänge Abstand!

Ein Ausspruch der Kölner Oberbürgermeisterin zu den Übergriffen am Kölner Hauptbahnhof. Schlimm ist, dass so etwas überhaupt thematisiert werden muss, dass die Komfortzone eines Menschen in Bezug auf Nähe scheinbar kein Tabu mehr ist.

SelbsteverteidigungHierbei ist es völlig egal, welcher Rasse oder Religion Täter angehören, die sich hier über das demokratische Grundrecht, die Würde des Menschen ist unantastbar, hinwegsetzen. Die Silvesternacht 2015 hat in Köln nur einen Umstand auf die Spitze getrieben, der in den letzten Jahren immer häufiger zu beobachten ist. Gruppen von Menschen werden zu Tätern, gegenüber einzelnen, wehrlosen Personen.

Wir als Kampfkünstler lernen früh, reflexartig zu reagieren, wenn uns etwas zu nahe kommt, wenn etwas unseren Sicherheitsraum verletzt. Man lernt solche Übergriffe abzuwehren und Täter davon abzuhalten, der eigenen Person zu nahe zu kommen. Dadurch schützt man sich selbst und gibt dem Täter gleichzeitig zu verstehen, dass er nicht das nächste Opfer vor sich hat.

Leider lässt sich aus all den Übergriffen ersehen, dass meist wehrlose Menschen Opfer solcher Angriffe werden. Wehrlose Menschen, die vermutlich sogar einem Einzeltäter nichts entgegenzusetzen hätten. Die Tatsache ist erschreckend und abstoßend zugleich.

Ich kann in den letzten 25 Jahren, die ich Kampfkunst unterrichte, auf mehrere Schilderungen von Schülern zurückgreifen, die in ähnlichen Situationen körperlicher Gewalt entgehen konnten, weil die, bzw. der Täter feststellen musste kein einfaches Opfer vor sich zu haben, mit dem man seine Spielchen treiben kann. Schon das Gefühl, dass sich jemand zur Wehr setzen würde, hat die Täter von ihrem Vorhaben abgebracht. Das ist sicher nicht immer der Fall, aber manchmal reicht dies schon aus.

Gleichzeitig möchte ich hier aber auch davor warnen, nun auf überteuerte Selbstverteidigungskurse hereinzufallen, die versprechen, man könne sich nach drei bis zehn Stunden erfolgreich gegen jeden Täter zur Wehr setzen. Das Erlernen einer Kampfkunst bietet selbst nach Jahrzehnten keine hundertprozentige Garantie, aus einem Kampf unbeschadet hervorzugehen. Es kann immer Umstände geben, die man nicht vorhersehen kann und einem letztendlich zum Verlierer werden lässt. Sicher ist allerdings, dass das trainieren einer Kampfkunst die Chancen sich erfolgreich zu wehren, bzw. nicht zum Opfer zu werden immens verbessert, aber es bedarf auch kontinuierlichem Training und eiserner Disziplin daran zu arbeiten. Wünschenswerter wäre allerdings sicherlich die Rückbesinnung unserer Gesellschaft auf demokratische Grundwerte, um über die eigene Verteidigungsfähigkeit überhaupt nicht nachdenken zu müssen.

Am erfolgreichsten war das Training einer Kampfkunst dann, wenn man nach Jahren feststellt, dass die eigene Einstellung und das Auftreten, dass man durch die erlernte Kunst gewinnt, einen vor vielen Situationen bewahrt hat und es erst gar nicht zu Handgreiflichkeiten kam. Jeder nicht geführte Kampf ist ein gewonnener Kampf.

Ich persönlich kann nur jedem empfehlen eine Kampfkunst zu trainieren, um übergriffigen Personen im äußersten Notfall Paroli bieten zu können. Im Nachhinein ist es immer schwer Täter zu ermitteln und sie so zu überführen, dass sie die Konsequenzen für ihre Taten auch tragen müssen. Eventuell verringert sich die Anzahl solcher Übergriffe, wenn die Täter damit rechnen müssen weniger Opfer zu finden, sondern häufiger auf ebenbürtige Gegner treffen, die sich zu wehren wissen.

In einer Kampfkunstschule lernt man nicht nur wie man sich wehrt, sondern vor allem Respekt vor anderen Menschen und Mittrainierenden. Daraus entstehen oft Freundschaften und langjährige Sozialstrukturen. Meine Hoffnung ist es schon dadurch zur Verbesserung des sozialen Umgangs beizutragen um Kampfkunst nicht nur dafür zu unterrichten, dass man sich noch traut an Abenden das Haus zu verlassen.

Wir freuen uns über jeden der zu uns kommt, um zu lernen, wie er seine Komfortzone schützen kann. Dabei sind uns der Respekt und die gegenseitige Akzeptanz während des Trainings am wichtigsten. Es ist uns egal, welche Hautfarbe oder Religion ein Mitrainierender hat. Wir erlernen die gleiche Kunst und verlieren dabei nie die Achtung vor unseren Trainingspartnern. Die Schule meines Meisters Lo Man Kam wurde in einem Bericht der ´National Geographiks´ einst als „United Nation“ der Kampfkunst bezeichnet und so halten wir dies in unseren Schulen auch. Jeder ist herzlich eingeladen uns in Probetrainings in unseren Schulen kennenzulernen und danach zu entscheiden, ob er gerne Teil dieser Gemeinschaft sein möchte. Wir würden uns freuen.

Unsere Schulen und Trainingszeiten findet man unter:

www. http://lomankam.de/index.php/schulen

Sifu Marc Debus

20 Jahre Weg

20 Jahre Weg – Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Wing Chun Welt

 

Seit 1992 beschäftige ich mich mit der asiatischen Kampfkunst Wing Chun, die vor allem durch meinen Sigung (Großvater im System) Yip Man zu großer Bekanntheit gekommen ist. Ich unterrichte das System seit 1996 und habe seitdem vieles gesehen und gelernt, dass ich nun in einem kurzen Bericht darstellen möchte.

Marc Debus und Andreas Zerndt in TaipehAls ich angefangen habe Wing Chun zu unterrichten, habe ich meinen Meister, Lo Man Kam (Neffe und langjähriger Schüler Yip Man´s) noch überhaupt nicht gekannt. Ich habe ihn erst Ende 1996 auf einem Lehrgang kennengelernt. Ich war der festen Überzeugung, dass ich bereits weit fortgeschritten war, beim Erlernen des Stils. Im Lehrgang machte ich dann Erfahrungen, die ich so noch nicht kannte. Es wurden Bewegungen und Basics erklärt, die mich vieles verstehen ließen, was mir vorher nicht erklärt werden konnte. Dies setzte einen Denkprozess in Gang, der mich 1999 mit meinen beiden Freunden Olaf Buschke und Andreas Zerndt dazu brachte, bei Lo Man Kam anzufragen, ob er uns als Schüler unterrichten wolle. Zum Glück war die Antwort positiv und das brachte einen weitern alten Trainingspartner und Freund, Frank Kuhnecke, hinzu.

Es folgte die Zeit des Lernens, die ich bereits mehrfach beschrieben habe und schließlich der Abschluss des Systems mit der Beendigung der Doppelmesserform. In all den Jahren habe ich meine Kampfkunstschule weiter geführt und mir die Entwicklungen bei meinen Schülern angesehen. Hierbei habe ich viele Veränderungen wahrgenommen.

Viele dieser Erfahrungen decken sich mit Erfahrungen, die Meister anderer Kampfkünste gemacht haben und mit denen ich mich über diese Phänomene ausgetauscht habe. Hierbei nenne ich gute Freunde wie Jürgen Kippel, Mario Pestel und Christian Kronmüller, die ihre Stile auch heute noch erfolgreich in eigenen Schulen unterrichten. Aber was hat sich verändert? Als erstes finden sich weniger Schüler, die sich der Kunst mit Herz und Seele verschreiben. Früher habe ich selbst 6-7 Tage die Woche jeweils 2 Stunden trainiert – und ich war da nicht die Ausnahme. Der harte Kern waren dabei mindestens zehn Leute. So war das auch später in meinen eigenen Schulen. Schüler mit Interesse an der Kunst, die bedingungslos eintrainierten, was sie gezeigt bekommen haben. So wie wir es selbst in Taiwan bei Lo Man Kam auch erfahren und umgesetzt haben. Die Erkenntnis, wofür man bestimmte Bewegungsabläufe braucht kam dabei von alleine. Sifu hat einmal zu mir gesagt, dass der Meister weiß, wen er was trainieren lässt und warum. Es sei die Aufgabe des Lehrers einen Schüler durch individuelle Aufgaben zu fördern und so sicher zu stellen, dass sie ihr Kung Fu entwickeln können.

Die Erfahrung der letzten Jahre sagt, dass dieser harte Kern in allen Schulen kleiner geworden ist. Ebenso die Schüler, die nicht bei jeder Technik fragen warum sie etwas machen sollen, bzw. warum der andere etwas anderes trainiert als sie selbst. Das Vertrauen, dass der Lehrer weiß, wohin der Weg gehen soll ist bei vielen nicht vorhanden und Trainingsinhalte werdenimmer häufiger in Frage gestellt – und das ist leider nicht nur in Kampfkunstschulen so. Ein Highlight war ein Schüler, der mir erklärte er bezahle für eine Dienstleistung und entscheide selbst was er lernen wolle. Ich habe ihn für diese Einstellung gelobt und gebeten sich eine Schule zu suchen, die ihm dies ermöglichen kann – er trainiert heute woanders.

Ebenso ist die Anzahl der Trainierenden deutlich gesunken. In den letzten Jahre haben Schüler im ersten Training häufiger die Frage gestellt, wie lange sie trainieren müssenTrainierende um sich verteidigen zu können (bzw. unbesiegbar zu sein!!! ). Diese Frage beantworte ich immer gerne mit dem Satz, es käme immer darauf an, wie oft sie zum Training erscheinen würden. Manch einem dieser Schüler habe ich dann nach drei Monaten sagen müssen, dass sie bei der unregelmäßigen Trainingsbeteiligung wohl Jahrzehnte brauchen werden. Aber es gibt auch immer noch die Anderen, die gerne und viel trainieren und deren Trainingserfolge geben der traditionellen Lehrmethode immer wieder Recht. Ein Irrglaube der heutigen Zeit ist, dass man durch das Anziehen eines Helmes und Faustschützern und Sparring ohne Technik zu einem guten Kämpfer werden würde – den Erfolg solcher Trainingsweisen müssen die Leute dann oft bitter in Auseinandersetzungen auf der Straße oder in der Disco erfahren.

Kung Fu ist harte Arbeit, so ist es zu übersetzen und so wird es bleiben. Es gibt keine schnellen Erfolge und keine Systeme, die man in einem Jahr erlernt. Schülerzahlen steigen immer dann, wenn neue Kampfkunstfilme durch die Kinos ziehen, sie sind aber nicht nachhaltig und nach einem Jahr ist wieder alles wie es war. Beim jedem Kampfkunsttraining muss man sich anstrengen, nicht nur körperlich, sondern auch mental. Im Zeitalter der schnellen Erfolge ist ein traditionelles Kampfkunstsystem fast schon wie eine Meditation zu sehen. „Back tot he roots“, um durch harte Arbeit nachhaltige Erfolge zu erzielen – und man lernt dabei nicht nur sich zu verteidigen, sondern es ist ein befriedigendes Gefühl eine traditionelle Kampfkunst wie das Wing Chun Kung Fu dadurch weiterhin bewahren zu helfen.

M.Debus

Namen sind nur Schall und Rauch

 

Namen sind nur Schall und Rauch!

 

..zumindest hat man diese Behauptung in den verschiedensten Kampfkünsten schon öfters zu hören bekommen. Es sein egal, behaupten manche „Kampfkunstlehrer", bei wem man seine Kampfkunst erlernt habe, nur auf den Kämpfer und das Talent käme es an. Früher konnte ich über solche Aussagen noch lachen, heute macht mich so etwas eher traurig. Nicht, weil ich die Leute bedauere, die solchen Blödsinn von sich geben, sondern weil mir die unbedarften Menschen leid tun, die an solche Lehrer glauben und denken, sie würden hier eine Kampfkunst erlernen können.

 

Außer in den Kampfkünsten habe ich noch nie gehört, dass Lehrer oder Schulen nicht wichtig seien, ….oder gar die Qualität nur einen geringen Belang hätte. Wieso gibt es dann für alle möglichen Bildungsgänge, Berufe und Qualifikationen spezielle Schulen, wenn nur das Talent eines Schülers letztendlich den Ausschlag geben soll? Dann brauche ich überhaupt keine Lehrer und kann Alles autodidaktisch erlernen.  Sicherlich spielt Talent bei Allem was man erlernen kann eine Rolle, aber nur ein guter Lehrer weiß dies auch zu fördern.

 

Hinzu kommt dann die Behauptung es sei auch egal, in wievielter Generation ein Lehrer im System einer Lehre stehe. Auch das halte ich für fragwürdig, zumindest dann, wenn man bei einem Lehrer nicht viele Jahre gelernt hat, um auch die kleinsten Details des Gelernten für eine Weitergabe abzuklären. Jeder weiß, dass er Gelerntes nicht genauso weitergeben kann, wie es ihm selbst vermittelt wurde. Man kann Lerninhalte nicht nach Jahren einfach wieder in ihrer Gänze abrufen und weitergeben, es sei den man hat sich auch mit der Didaktik und der Vermittlung des Gelehrten auseinandergesetzt.

 

Mein Sifu (väterlicher Lehrer) Lo Man Kam hat mir in den vielen Jahren, die ich bei ihm lerne, auch die Didaktik des Systems unterrichtet und mich aufschreiben lassen, wie die Lernschritte des Systems im logischen Aufbau aufeinander folgen. Er hat mir Aufzeichnungen und gemalte Bilder aus seiner Lernzeit bei seinem Onkel Yip Man gezeigt, wo ihm dies genauso vermittelt worden ist….somit gibt es noch einen Unterschied: Nicht nur die Generation eines Lehrers innerhalb seiner Linie spielt eine Rolle, sondern auch der Umstand, ob er das System nur erlernt hat, um es für sich selbst umzusetzen, oder ob er gelernt hat das System auch zu unterrichten.

 

Dies deckt sich mit meinen Erfahrungen aus meinem Studium der Sonderpädagogik. Lehren umfasst Didaktik und Vermittlungsstrategien. Nicht jeder gute Kämpfer ist ein guter Lehrer und nicht jeder gute Trainer ist unbedingt ein Ausnahmekampfkünstler. Vielleicht hat er aber das Auge, den Blick für die Richtigkeit einer Bewegung und das Wissen, das Können eines Schülers optimal zu steigern. Berühmte Boxtrainer und andere berühmte Trainer haben viele Champions hervorgebracht….ohne selbst jemals auf einem Siegertreppchen gestanden zu haben!

 

Im Bereich unseres Systems, dem Wing Chun Kung Fu, hat das Ganze zum Teil extreme Auswüchse bekommen. Ich habe von Trainern gehört, die den Namen ihres Lehrers nicht nennen wollen, weil dieser geheim bleiben wolle (hat hier vielleicht die Videokassette mit demjenigen geredet?). Andere meinen ein uraltes, hervorragendes System durch eigene Ideen, Techniken und Formen verbessert zu haben (oder liegt es nur daran, dass hier jemand nur nie die Geduld hatten das System zu Ende zu lernen?). Ich habe sogar einmal in einem Seminar erlebt, wie ein deutscher „Wing Chun"-Trainer, dessen Formen nur noch rudimentär an unser System erinnerten Lo Man Kam darauf ansprach, dass er kein Wing Chun zeigen würde, weil er nicht auf der Zentrallinie mit Kettenfauststößen nach vorne gehen würde (evtl. erklärt derjenige auch Albert Einstein seine Fehler in der Relativitätstheorie!). Zum Schluss folgen dann die, die bei dem „Besten" Schüler eines Meisters gelernt haben (oder vlt. Doch bei dem Schönsten) und jene, die den Namen eines Meisters als ihrem Lehrer benennen, den sie in einem Seminar kennengelernt haben, oder bei dem sie die Grundzüge der Kunst erlernt haben, bevor es ihnen zu zeitaufwendig wurde, oder zu lange dauerte die Kunst zu Ende zu lernen (ich habe meine Unterrichtszeit bei Lo Man Kam in meinem Buch vermerkt und komme dabei auf weit über 1200 Stunden Training mit Anderen, die auch zu Lehrern des Systems ausgebildet worden sind). Bei alledem möchte ich auch nicht die spirituell erleuchteten Lehrer nicht vergessen, die sich auf einer so hohen geistigen Ebene befinden, dass sie Zertifikate ihrer Meister abgelehnt haben (weil diese nicht so wichtig sind, wenn man erleuchtet ist), oder jahrelang Meisterschüler eines Lehrers waren (ohne dass andere Schüler des Meisters sie als solches wahrgenommen haben). Diese Lehrer finden zumindest immer eine Begründung, warum sie nicht in Stammbäumen erscheinen, warum sie keine Urkunden vorweisen können, oder warum zertifizierte Lehrer böse sind (weil sie die schnöden Urkunden des Meisters angenommen haben und auf einer geistigen Entwicklungsebene stehen, die weit unter dem Erleuchteten liegt, quod erat demonstrandum!!!!)

 

Das Alles macht mich nachdenklich und erinnert mich daran, dass der jüngere Kung Fu Bruder von Lo Man Kam, Duncan Leung, gesagt hat, unsere Kampfkunst stirbt aus, wenn die Entwicklungen sich so fortsetzen und die Essenz unserer Kampfkunst immer mehr verwässert wird, durch Menschen, die das System nicht mehr traditionell unterrichten. Leider können Schüler in Europa und Amerika oft nicht auf die Schnelle herausfinden, wie gut die Schule ist, die sie besuchen wollen, oder der gewählte Lehrer, da sie keine Entscheidungskriterien für deren Qualität an der Hand haben. In dieser Erkenntnis steckt alles, was man als einziges Resümee aus all den Vorüberlegungen ziehen kann. Ich werde mich weiterhin bemühen, meine Kampfkunst so weiterzugeben, wie ich sie von meinem Lehrer als Lehre weitergegeben bekommen habe….und dieser von seinem Lehrer. Ich kann (und will) meinen Lehrer benennen und daran festhalten was ich gezeigt bekommen habe, um meine Schüler bestmöglich zu unterrichten, ob sie Wing Chun für sich selbst lernen-, oder unterrichten wollen. Ich werde mir nicht anmaßen das System zu verbessern oder Eigenkreationen ins Training einfließen lassen. Ich werde weiterhin meine Lehrer in Didaktik und Methodik so unterrichten, dass sie das Kung Fu unserer Linie authentisch weitergeben können und noch viele Generationen Spaß an einer traditionellen, chinesischen Kampfkunst haben können.

Marc Debus

 

 

Was macht eine traditionelle Kampfkunst aus?

 

Was macht eine traditionelle Kampfkunst aus?

 

Diese Frage bekomme ich immer wieder gestellt und die Antwort darauf ist so Umfangreich, dass ich sie meistens nicht so schnell beantworten kann, wie es sich mein Gegenüber wünscht. Um dieser Frage den nötigen Raum einzuräumen habe ich mich entschieden, sie an diesem Ort einmal in ihrer gesamten Bandbreite zu beleuchten.Ich muss damit anfangen, wie und warum ich letztendlich bei Sifu Lo Man Kam als meinem Lehrer gelandet bin und warum ich ihn und sein System bis heute betreibe. In früheren Trainingsjahren des Wing Chun Kung Fus kam es immer wieder zu Fragen meinerseits, die mir entweder nicht beantwortet werden konnten, oder mit Phrasen abgeschmettert worden. Das Ergebnis war immer das Gleiche….eine unbeantwortete Frage. Das lässt sich sicher in manchen Fällen hinnehmen, sollte aber nicht der generelle Umgang mit einer Frage sein. Bei manchem Trainingspartner kamen diese Fragen nicht auf, aber viele von meinen Trainingspartnern trainieren heute selbst nicht mehr, oder befinden sich nach zwanzig Jahren immer noch beim Erlernen der Handformen unseres Systems.

 

Sifu Lo Man KamDiese Fragen und auch die nicht zu verstehenden finanziellen Strukturen innerhalb meiner damaligen Schule ließen meine Unzufriedenheit wachsen. Weitere Recherchen brachten mich zu dem Schluss, dass ich das System unter meinem damaligen Lehrer nie zu Ende hätte lernen können, da er selbst das System nicht ausgelernt hatte. Dies erklärte mir dann auch, warum Trainerkollegen, die bereits zehn Jahre länger in der Schule Kung Fu lernten nicht mehr als die zweite Handform konnten.

 

Nun folgte eine sehr unbefriedigende Zeit, in der ich nach einer Schule suchte, die mir meinen Wunsch, Wing Chun Kung Fu bis zu den hohen Formen erlernen zu können, ermöglichen würde. Eigentlich ist unbeschreiblich, was mir dabei alles begegnete. Lehrer mit geheimen Meistern, Lehrer, die mir auf Grund meiner Erfahrung sofort eine Landesleitung verkaufen wollten und Lehrer, die mir erzählten, wie sie in einem Jahr ein 400 Jahre altes System wesentlich effektiver gemacht hätten. All dies ließ mich verzweifeln. Meine damalige Lebensgefährtin brachte mir dann der Weisheit letzten Schluss. Auf Grund meiner Unzufriedenheit und der Tatsache, dass sie mit mir von einer Enttäuschung zur nächsten wanderte, ließ sie intervenieren und sie machte mir den Vorschlag, Wing Chun von einem der alten Meister zu lernen, die es ja sicherlich in China noch geben musste.

 

Ich hatte zu dieser Zeit bereits Lehrgänge bei Duncan Leung, Yip Chun und Lo Man Kam besucht und wäre nie auf die Idee gekommen zu fragen, ob diese mich direkt unterrichten würden. Am Meisten hatte mich die Art von Lo Man Kam, sein Gefühl beim Chi Sao und seine Leichtigkeit bei jeder Bewegung fasziniert, also stand mein Entschluss fest ihn zu kontaktieren. Dies gelang mir relativ schnell, über einen alten Trainingspartner, der mit Sifu Lo Man Kam das Seminar ausgerichtet hatte, auf dem ich ihn damals hatte erleben dürfen. Sifus Antwort auf unser Fax kam schnell und er bot an, nach Deutschland zu kommen, sich unser Kung Fu anzusehen und danach eine Entscheidung zu treffen. Ich war platt….damit hatte ich so nie gerechnet, zumal man mir immer erzählt hatte, die alten Meister würden keine Schüler annehmen ohne über tausende von Mark Einstiegsgeld zu reden….jetzt würde ich es sehen. Ich kontaktierte weitere alte Trainingspartner, unter anderem Andreas Zerndt und Olaf Buschke und später auch Frank Kuhnecke, um sie zum Training mit Sifu einzuladen und verband damit auch die Hoffnung, dass sich die Anderen meinem Weg anschließen würden.

 

Es folgte Sifus Besuch. Im Umgang war er im ersten Moment schwierig, er war schwer zu verstehen und gar manches Mal wussten wir nicht, was er von uns wollte, aber die Verständigung klappte von Tag zu Tag besser….und das Training??? Wir standen zwei Tage im Grundstand für die erste Form, die Beine begannen zu schmerzen und zu zittern, Sifu korrigierte unermüdlich die Haltung und ich war mehrere Male kurz vorm Aufgeben. In meinem Kopf drehten sich die Gedanken…Wie lange musste man so lernen um das System zu beenden….wie viele Stunden muss ich noch so stehen….und….will Sifu Lo Man Kam uns wirklich unterrichten?

 

Nach zwei Tagen folgten die ersten Sätze der Siu Lim Tao Form, von der ich damals dachte, ich könnte sie bereits…..weit gefehlt. Unermüdlich korrigierte Sifu jeden kleinen Fehler…und das Beste dabei war: Er konnte an Beispielen zeigen, warum eine Armhaltung falsch war, eine Position im Kampf nicht funktionieren würde, oder warum ein Schlag auf eine bestimmte Art und Weise ausgeführt werden musste….es gab Erklärungen…und sie machten Sinn!!! Trotz des Tatsache, dass wir sozusagen bei Null wieder anfingen machte das Spaß, weil endlich Erklärungen folgten und die Siu Lim Tao Form mit Leben füllten. Ebenso war es bei den Grundübungen zum Chi Sao. Das einarmige Dan Chi wurde immer wieder in seinen Positionen korrigiert und man verstand schnell, wieso eine Haltung genauso….und nicht ein bisschen anders…sein musste. Sifu trainierte mit jedem von uns selbst und der Mythos, dass die alten Meister Schüler nicht anfassen würden löste sich in Luft auf.

 

Die zwei Wochen endeten schnell und zu unserer Überraschung waren die Kosten für unseren Trainingsraum und unsere Verköstigung weit höher als das, was Sifu von uns für das Training verlangte.  Jetzt war noch die Frage nach weiterem Training zu klären, bzw. ob Sifu uns weiter unterrichten würde. Die Frage erledigte sich, als er uns sagte wir sollten möglichst schnell nach Taipeh in seine Schule kommen um das Training fortzusetzen. Das taten wir. Taiwan zur damaligen Zeit war ein Kulturschock. Europäer waren die Ausnahme. Man wurde auf der Straße fotografiert und man zeigte mit dem Finger auf uns. Ich als kleiner Europäer war plötzlich größer als die meisten Menschen auf der Straße. Chinesisches Essen schmeckte anders und sah anders aus, als das was man in den Schleimsoßenküchen Deutschlands als chinesisches Essen angeboten bekam…..und man konnte kein Straßenschild lesen und musste immer fragen „Do you speak English?“….was zum Glück ein großer Teil der Taiwanesen konnte, da es in der Schule gelehrt wird.

 

Das Training auf dem Dach war noch einmal eine ganze Spur härter, als das was wir in Deutschland erlebt hatten. Sifu korrigierte und genauso intensiv wie in Deutschland und ließ unsere älteren Mitschüler, Sihings, mit uns trainieren, um uns möglichst viel Input zu geben. Zu dem intensiven Training kamen Temperaturen um die vierzig Grad und die enorme Luftfeuchtigkeit hinzu. Es war so heiß, dass wir uns entschieden nicht in der Wohnung von Sifu zu schlafen, sondern auf dem Dach (was auch die nächsten Jahre bei den Aufenthalten unsere Heimat sein sollte).

 

Ich kehrte zufrieden nach Deutschland zurück und war damals sieben Kilo leichter als auf dem Hinflug. Wir hatten von Sifu die Siu Lim Tao und die Basics des Chi Sao gelernt und er hatte uns ermutigt dies auch zu unterrichten. Ich hatte zur damaligen Zeit keine Schule und gründete im Nachgang den Kampfkunstverein Hochtaunus, in dem wir seit dieser Zeit das Lo Man Kam Wing Chun System lehren. Im Unterschied zum Lernen anderer Schüler in Sifus Schule, hatte er uns viele Übungen länger und intensiver machen lassen. Wir mussten sie wiederholen und ihm erklären warum man Bewegungen auf eine bestimmte Weise ausführt. Erst dachten wir, dass wir uns besonders dämlich anstellen würden, aber Sifu erklärte uns nach einer Woche: „I teach you, how to teach Wing Chun“. In den folgenden Jahren erklärte er uns immer wieder Elemente der Lehrdidaktik unseres Systems. Welche Übung kommt zuerst….Warum muss man erst das Eine lernen, bevor man das andere machen kann…..Wie lange muss ein Schüler eine Übung machen, um fortfahren zu können…etc. Sifu Lom Man Kam erklärte uns, dass er dies von seinem Onkel Yip Man, unserem Sigung, so gelernt hat und dass er dies genauso weitergeben will. An diesem Punkt war ich mir sicher meinen Meister gefunden zu haben.

 

Es folgten viele Jahre intensiven Trainings, in denen ich jährlich mehrere Wochen nach Taipeh flog. Zudem kam Sifu  jährlich für zwei bis drei Wochen nach Deutschland, manchmal sogar zweimal im Jahr. Mittlerweile hatte jeder von uns Schüler und Sifu unterrichtete auch diese in unseren Schulen. Er sagte uns, es sei seine Aufgabe als deren Sigung dies zu tun, um persönlichen Kontakt zu unseren Schülern zu haben und um uns sagen zu können, worauf wir beim Training mehr zu achten hatten. Das brachte uns als Lehrer viel und Sifu hatte in den folgenden Jahren immer weniger an unseren Schülern auszusetzen. Mittlerweile kamen auch Schüler von uns mit nach Taipeh, um ebenfalls das Erlebnis der traditionellen Schule in China zu haben….dies ist bis heute so. Leider verbinden sich damit auch eine negative Erfahrungen, da einer meiner Schüler sich damals berufen fühlte direkter Schüler von Sifu zu werden, weil er seiner Meinung nach viel schneller gelernt hätte, als ich es getan habe. Das Problem erledigte sich durch Sifu selbst. Er erklärte mir, dass er natürlich meine Schüler nicht so korrigieren würde wie mich, weil dies meine Aufgabe sei. Die vergebenen Zertifizierungen für meinen Schüler habe er als Sigung gegeben, nicht als Sifu. Langsam verstand ich was die Bezeichnung „Familiensystem“ alles beinhaltete.

 

Ein weiterer Schritt auf unserem Weg stellte die Aufnahme in den inneren Kreis der „Familie“ dar. Diese wird auf einem traditionellen Weg durch eine Teezeremonie vollzogen, in der der Schüler in mehreren Verbeugungen vor seinem Meister und über das Reichen einer Schale Tee um Aufnahme in die Familie bittet. Der Meister reicht diese Schale an seine Schüler zurück und bestätigt damit, dass er ihrem Wunsch entspricht und sie in seine Familie aufnimmt. Diese Ehre wurde Frank, Andreas und mir unter Teilnahme unserer älteren chinesischen Mitschüler in Sifus Wohnzimmer zu Teil. Nach diesem Tag änderte sich noch einmal etwas im Umgang mit unseren chinesischen Mitschülern. Sie betonen seit diesem Tag bis heute, dass wir Brüder seien. Ab diesem Zeitpunkt waren wir immer häufiger zu Gast bei Familienfeiern, Partys und auch bei Trauerfeiern, in denen wir als Mitglieder der Familie den Toten unseren Respekt zu zollen hatten.

 

Seit 2007 fahre ich zusätzlich einmal im Jahr zu Sifu Sohn Gorden Lu nach Amerika. Er hat das Wing Chun Kung Fu bei zwei Yip Man Schülern gemeistert. Bei seinem Vater und bei Sisuk 8jüngerer Kung Fu Bruder des Sifu) Duncan Leung. Dort habe ich viele Stunden die Long Bridge Anwendungen des Systems trainiert, für die Sisuk Duncan als Spezialist gilt, so wie Sifu Lo Man Kam als Spezialist für das Chi Sao angesehen wird. Deshalb kommen immer wieder Meisterschüler von Duncan Leung zu Sifu Lo Man Kam um Chi Sao zu lernen und Schüler von Sifu lernen bei Duncan Leung Long Bridge Anwendungen. Ein ganz normaler Austausch unter den Schülern von Sigung Yip Man. Das konnte ich auch erleben, als Sifu mir erlaubte bei einem anderen Yip Man Schüler, Sisuk Wang Kiu Unterricht zu erhalten. Wang Kiu zeigte mir seine Hand- und Waffenformen und Trainingsanwendungen, die er mit seinen Schülern macht. Ein Austausch, den ich ebenfalls sehr zu schätzen gewusst habe. Leider ist Sisuk Wang Kiu mittlerweile verstorben, aber ich konnte viel Gutes aus seinem Training für mich herausziehen und gerade seine historischen Geschichten aus Hong Kong werden mich immer begleiten. Abschließend kann man sagen, dass es die grossen Feindschaften zwischen den Yip Man Linien vornehmlich unter den Personen gibt, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten…..un vornehmlich in westlichen Ländern. Die alten Herren in China sind da erfreulicherweise eher anders. Über die Empfehlung von Sifu Lo Man Kam konnte ich viele weitere Yip Man Schüler besuchen und mich mit ihnen über unser System austauschen und sogar trainiern. Ich nenne hierbei Tsu Chong Tin, Chan Wei Hong, Samuel Lau, Yip Chun, Yip Ching und Li Wei Chi.

 

2012 beendeten wir dann formal das Erlernen des Wing Chun Systems, mit der Doppelmesserform. Ein Wunsch ging nach Jahren in Erfüllung. Hat das Training damit geendet???....Nein….wir fahren noch immer jedes Jahr zu Sifu um mit unseren älteren Mitschülern auf dem Dach zu trainieren, oder die Rolle der älteren Mitschüler bei Anfängern zu übernehmen. Es ist wie bei jeder Familie. Man kehrt immer wieder nach Hause zurück….und es ist schön.

Marc Debus

 

 

Interview mit Marc Debus - Hobbymap.de

"Wing Chun ist schnell und effektiv und bietet keinen Raum für Show."

Sifu Lo Man Kam trainiert Marc Debus in Taipeh 

Wie ist Ihr Interesse für Kampfkünste entstanden und wie hat sich daraus Ihre Leidenschaft zum Wing Chun entwickelt?


Mein Interesse begann während meines Studiums, in dem ich Gelegenheit hatte mit einem Freund zu trainieren, der einen Schwarzgurt in Karate hatte. Danke Peter!!!! Ich begann daher mich umzuschauen und stellte fest, dass die weicheren, runden Bewegungen chinesischer Kampfkünste mir besser gefallen haben. Deshalb wählte ich eine Wing Chun Schule aus und startete mein Training. Jahre später veränderte der Kontakt zu Sifu Lo Man Kam alles und das Training in einer traditionellen Schule in China war und ist das, wovon ich immer geträumt hatte.

Warum gerade Wing Chun? Was macht für Sie den Reiz und die Faszination an diesem Hobby aus?


Wie gesagt. Die Wahl war eher zufällig, aber ich verliebte mich schnell in diese Kunst. Die Faszination besteht in der Kürze. Wing Chun ist schnell und effektiv und bietet keinen Raum für „Show“. Das ist meiner Meinung nach die Essenz einer Kampfkunst.


Wie kann man sich das Wing Chun-Training bei Ihnen vorstellen? Was gehört da alles dazu und wie läuft es in der Regel ab?


Ich unterrichte in meiner Schule so, wie ich es bei meinem Sifu Lo Man Kam gelernt habe und dieser es von seinem Onkel Yip Man gezeigt bekommen hat. Es gibt einen Weg des Lehrens im Wing Chun, dem alle Yip Man Schüler befolgen, die ich kennen gelernt habe, bzw. bei denen ich auch trainiert habe. In einem Training werden die Formen trainiert, dann Applikationen der Formen und am Ende wird viel Chi Sao (klebende Hände) trainiert.


Der Weg des Lernens ist dabei immer gleich und jeder Schüler trainiert an dem Punkt, an welchem er gerade steht. Ältere Schüler helfen auf Anweisung des Lehrenden (Sifu) den Anfängern weiter. Deshalb kann man jede Form in einem Training sehen. Es werden Handformen trainiert, Holzpuppe bzw. Waffen (Langstock wenn der Raum dafür da ist) und es gibt keine Geheimnisse, die im verborgenen trainiert werden. Das braucht man auch nicht, da man vom Zusehen die richtige Ausführung einer Bewegung, das Nutzen der Kraft etc. nicht lernen kann. Dazu bedarf es eben eines Lehrers.


Mit welchen Grundlagen und mit welcher Einstellung sollte man mit dem Hobby Wing Chun beginnen, was erachten Sie hier für wichtig?


Wing Chun Training ist nicht einfach. Man lernt es nicht in kurzer Zeit, auch wenn viele dies glauben. Das Kopieren einer Bewegung bedeutet nicht gleichzeitig die richtige Ausführung. Manche Bewegung muss hunderte Male geübt werden um effektiv sein zu können. Chi ist das tausendfache Ausführen einer Bewegung. Das ist das Eine. Das Andere ist Loyalität und Durchhaltevermögen. Zum Training gehen, anstatt auf die Party, üben anstatt faul rumzuhängen. Wenn man dies tut kann man eine Kunst gut erlernen und beherrschen. Nicht jeder Schüler wird exzellent, aber viele werden durch hartes Training sehr gut.


Was sind so „typische Anfängerfehler“ beim Wing Chun und worauf sollte man achten um sich selbst und seinen Trainingspartner nicht zu verletzen?


Einer der Hauptfehler ist die Ungeduld beim Üben. Europäer wollen immer alles „schnell, schnell, schnell“ lernen, was nicht geht. Der zweite Fehler ist die Kraft. Viele Trainierende glauben Bewegungen müssen mit viel Muskelspannung hart ausgeführt werden, dabei ist dies genau falsch. Entspannt sein ermöglicht Geschwindigkeit und „Impact power“. Alles basiert auf dem Verständnis, das eine Kombination von Bewegungen und der Einsatz der Hüftkraft erst eine Gesamtkraft erzeugt, die immens kraftvoll sein kann. Hat man dies verstanden ist ein gefahrloses Training immer möglich, da man sich und seine Bewegung kontrollieren kann. Das ist eigentlich Alles.


Was waren für Sie bislang besonders tolle Momente und Erlebnisse rund ums Wing Chun und welche persönlichen Ziele wollen Sie mit dem Wing Chun noch erreichen?


Ein besonderes Erlebnis war die Aufnahme in den inneren Kreis der Wing Chun Familie durch Sifu Lo Man Kam. Dies geschieht durch eine Teezeremonie, die durch den Meister und die älteren Schüler durchgeführt wird. Es dauert lange und bedarf einer gewachsenen Beziehung von Sifu und Schüler, um diese Ehrung zu erhalten und dann zum sogenannten inneren Kreis der Schüler zu gehören. Diese Ehre wurde mir zusammen mit meinen Freunden Frank Kuhnecke und Andreas Zerndt als einzige in Deutschland lebende Schüler zuteil. Mancher glaubt, dass Titel und Positionen im Wing Chun gekauft werden können. Dies mag in manch europäisierten System so sein, aber der traditionelle chinesische Weg ist ein Anderer.


Als Ziel setze ich mir, das System auch weiterhin so zu unterrichten, wie es mir beigebracht wurde. Weiterhin selbst mit meinen langjährigen Freunden Andreas Zerndt, Olaf Buschke, Frank Kuhnecke und auch Gorden Lu, dem Sohn Lo Man Kams, zu trainieren, um jede Möglichkeit zu nutzen, die Qualität des Trainings zu verbessern. Ansonsten sollen die Schüler natürlich Spaß im Training haben, weil... mal ehrlich... das ist das Wichtigste beim Gestalten der eigenen Freizeit. Jeder der daraus mehr macht wird natürlich bestmöglich gefördert, damit auch die nachfolgende Generation wieder gute Lehrer für das Fortbestehen des Wing Chun Systems hat.


Vielen Dank, dass Sie uns mehr über das Hobby Wing Chun erzählt haben.

Lo Man Kam Artikel - SPANISCH

Lo Man Kam Wing Chun de Taiwan

LO MAN KAM. MANTENER VIVO EL ARTE DEL VING CHUN

 

El autor de la entrada de hoy es Marc Debus, que comenzó a entrenar Wing Chun en 1990. Desde el año 1999, el se convirtió en discípulo, a través de la ceremonia de Bai Si, del Maestro Lo Man Kam, y hoy es uno de sus representantes en Alemania. Marc es uno de los 15 discípulos en el mundo que ha terminado el Sistema con su Sifu Lo Man Kam.

 

Os dejamos con una entrevista que Marc realiza a su Maestro, preguntándolo por diferentes aspectos de su largo recorrido en el Wing Chun.

 

Desde su Juventud, Sifu Lo Man Kam pasó gran parte de su tiempo viviendo con su tio, El Patriarca Ip Man, en la ciudad de Foshan, en la provincia de Cantón. A la edad de 18 años comenzó a aprender Wing Chun directamente de su tío. Más tarde, y siendo un hombre joven, estuvo entre los tres primeros estudiantes deIp Manen Hong Kong, permaneciendo bajo su tutela por muchos años.

 

El Maestro Lo Man Kam estableció la primera y única escuela por entonces de Wing Chun en Taiwán, en el año 1974, y ha ayudado a propagar el Wing Chun por el mundo desde entonces. Su escuela se asemeja a las Naciones Unidas del Kung Fu, con estudiantes de 34 diferentes países, incluyendo alumnos de Suiza, Estados Unidos, Alemania, Francia, Israel, Canadá, Polonia, Bélgica, Sudáfrica, Arabia Saudita, Turquía, Tailandia, Hong Kong y muchos otros. Con más de 80 años de edad, aún sigue profundizando en su estudio del Wing Chun, buscando una comprensión aún más profunda de su arte.

 

P. Sifu, aprendió de su tío, el Gran Maestro Ip Man en Hong Kong durante la década de 1950. Qué puede decirnos de aquella época?

 

R. Hoy en día, muchas personas hablan de Ip Man sin haberle visto enseñar nunca el arte del Wing Chun/Wing Chun. A veces me pregunto cómo pueden decir sin duda que mi tío era un muy buen maestro, sin haber entrenado con él. La gente no puede tener una sensación auténtica de sus lecciones o de su Chi Sao, porque ni siquiera le tocaron. Tsui Sheung Ting y yo estamos entre los últimos estudiantes vivos que realizamos Chi Sao con Ip Man en los primeros años.

 

No me refiero a técnicas especiales que el mostró a sus estudiantes, me refiero a hacer Chi Sao con él durante mucho tiempo. Es fundamental que un profesor transmita sus sensaciones a sus alumnos formándolos personalmente, para sentir los errores y posteriormente poder ayudarles a corregir los mismos. Wing Chun no tiene secretos, salir vencedor es el único secreto. Muchos hablan de secretos que aprendieron con Ip Man, y esto no es cierto porque mi tío no guardaba secretos. Habló sobre el arte y enseño a sus estudiantes lo mejor que pudo. Algunos aprendieron muy rápido, otros eran más lentos, pero no mantuvo secretos nunca con sus estudiantes.

 

Ip Man dijo que el Kung Fu es un objeto muerto, y que sólo tu cuerpo y sensibilidad podía traerlo a la vida y convertirlo en un Arte. Comparo esta frase con una hoja de papel vacía, y en la que luego se comienza a hacer un dibujo. Debes crear tu Kung Fude las cosas que has aprendido de tu Maestro, pero luego cada alumno lo utilizará de manera distinta.

 

La capacidad para mezclar y utilizar lo que has aprendido es el único secreto para ser un buen practicante de Wing Chun. Además, necesitas un buen conocimiento de la distancia, tiempo y técnica, para hacerlo funcionar. No puedes simplemente copiar la acción, debes encontrar tu propio camino.

 

P. Sifu, ahora tiene más de 80 años. Crees que el Wing Chun le ayuda a mantenerse saludable?

 

R. Absolutamente. Creo que si aprendes Wing Chun y practicas todos los días, eso te ayuda a mantener la flexibilidad, y lo que es más importante aún, a estar saludable. Es crucial hacerlo todos los días. Me entreno todos los días con mis alumnos.

 

P. Durante los años su organización ha aumentado mucho, y tiene estudiantes de todo el mundo. Por qué crees que tu Wing Chun se ha vuelto cada vez más popular?

 

R. Mis estudiantes enseñan Wing Chun del mismo modo en que lo aprendieron. Enseñan las técnicas a su estudiante y luego les dejan aprender a mezclar las cosas que aprenden, de manera que finalmente creen un Wing Chun que funcione. Pasan sobre sus propios sentimientos y sensaciones y a su vez ayudan a sus estudiantes a mejorar. Hay una forma tradicional de enseñar Wing Chun. Normalmente tienes que aprender ciertas cosas antes de aprender la técnica siguiente. Por eso el sistema tiene un orden, empezando por Siu Lim tao y acabando en Baat Cham Dao.

 

Enseño como me enseño mi tío Ip Man, y así enseñan también mis estudiantes. Algunos aprenden antes y otros después, pero el Maestro se encarga de todos ellos cueste lo que cueste. Tratamos de enseñar a nuestros alumnos a crear su propio flujo de modo que puedan utilizar lo que les enseñamos más fácilmente. Creo que es el motivo por la que mucha gente se une a nuestras escuelas. Si no enseñamos así, el Wing Chun quizás desaparezca en 40 o 50 años. Si la gente solo copia las acciones, con el tiempo pierden su sensación, y si no sientes el Arte simplemente este morirá. Mira a Confucio y sus estudiantes, que escribieron muchos grandes libros, pero nunca una copia de su maestro. Les enseño a tener esa sensibilidad para ser únicos, pese a tener la misma ideología. Esto es lo mismo con el Kung Fu. Hay que abrir la mente.

 

Algunos estudiantes aprenden las técnicas de mano vacía muy fácilmente, otros serán rápidos en aprender las armas. El Maestro tiene que ayudarles a mejorar para que usen sus propios sentimientos.

 

P. Cada Maestro tiene buenos y malos alumnos, o crees que todos los alumnos de Ip Man eran buenos porque el era un Gran Maestro?

 

R. Esto de lo que hablas es la razón por la que no pierdo el contacto estrecho con mis alumnos. Nuestra comunidad está creciendo, pero no debido a la popularidad, sino a la calidad. No todos mis alumnos abrirán una escuela, pero quienes lo hacen tienen todo mi apoyo. La idea principal de una escuela es transmitir el conocimiento, y no generar más ingresos.

 

P. Cómo ve el futuro del Wing Chun?

 

R. No es importante el linaje del que se aprende, lo importante es que usted pueda conseguir que el Wing Chun funcione. Cada Maestro que consigue eso, es un buen Maestro. Un buen Maestro no transmite sólo el Kung Fu, transmite sabiduría. Lo importante no es buscar una fuente de ingresos como prioridad, sino encontrar estudiantes talentosos que puedan ayudar a difundir el arte a la próxima generación.

 

Hay algunos Maestros que guardan secretos porque sólo usan el Wing Chun para ganar dinero, y eso está muy mal a mi manera de ver. En nuestra organización, tratamos de hacerlo de otra manera, e igual que nosotros hay muchos otros que piensan lo mismo, y que buscan mantener vivo el Arte.

 

Por Marc Debus


 

Erfahrungen und Effekte des Doppelmessertrainings

Erfahrungen und Effekte des Doppelmessertrainings

Die Wing Chun Doppelmesser. Für viele Wing Chun Enthusiasten die Form, auf der die meiste Begehrlichkeit liegt und mit der verschiedene, leider auch häufig unseriöse Lehrende, viel Geld verdienen. Deshalb ist die erste Diskussion, die man in Bezug auf diese Form vernimmt meistens auch mit der Geldfrage verbunden. Sehr schade eigentlich.... aber zum Glück konnte ich bei meinem Sifu Lo Man Kam andere Erfahrungen machen und habe mittlerweile die ersten Schüler selbst in der Form unterrichtet, ohne dabei reich zu werden.

Dr. Frank Kuhnecke beim DoppelmessertrainingUm auf das Training und dessen Effekte einzugehen, muss ich dazu sagen, dass in diesen Artikel die Erfahrungen und Anregungen meiner Haupttrainingspartner Gorden Lu und Dr. Frank Kuhnecke mit eingehen. Viele Stunden Training und Austausch haben diese Erfahrungen mit sich gebracht, die ich hier zu beschreiben versuche. Gleichzeitig versuche ich die Veränderungen darzustellen, die sich während des Trainings der Form und Techniken gezeigt haben.

Das gesamte anfängliche Training mit den Doppelmessern habe ich mit Dr. Frank Kuhnecke zusammen absolviert. Zuerst lehrte uns Sifu Lo Man Kam die acht Grundübungen, die trainiert werden müssen, um ein sinnvolles Training der Form zu ermöglichen. Diese Bewegungen sind die Grundbestandteile der acht Sektionen und ermöglichen später ein einfacheres Lernen der Form. Dabei kommt es auf die Haltung der Messer an, die Positionen und die Ausführung von Schlägen und Abwehrbewegungen. Gleichzeitig kommen verschiedene Übungen zum kräftigen der Handgelenke hinzu. Was anfänglich in meinem Kopf als schnell zu bewältigende Aufgabe verankert war, stellte sich schnell als mühevolle und langwierige Übungsphase heraus. Der Umgang mit den Messern und das Einnehmen der Positionen waren häufig mit mehr als einer Schwierigkeit verbunden. Das Flippen (drehen der Messer am Parierhaken der Messer) war anfangs komplizierter als man dachte und das Training war vom Scheppern fallender Messer begleitet.

Sifu Lo Man Kam zeigt die SchlagrichtungStundenlanges Training mit Schritten, Training gegen Holzstäbe, bzw. Stöcke die der Partner schlägt oder stößt, führten aber zum gewünschten Erfolg. Schmerzende Handgelenke durch die ständigen Erschütterungen gehörten ebenfalls dazu. Mir fiel dies besonders schwer, da ich vor Jahren durch eine Nekrose Teile meines Mittelhandknochens eingebüßt habe und mit der dadurch entstandenen Bewegungseinschränkung zusätzlich umgehen lernen musste.

Nach dieser Trainingsphase folgte Sektion für Sektion das Erlernen der Form. Mancher Bewegungsablauf war vertraut, da es sich hierbei um Bewegungsmuster handelte, die man ohne Messer bereits aus den Handformen und der Holzpuppe kannte. Andere Bewegungen und Abläufe waren durch das Benutzen einer Waffe eher neu und auch das hantieren mit den Messern zeigte mir sehr schnell, dass dies unter Verwendung geschärfter Messer schnell ein paar Finger gekostet hätte, bzw. aufgeschnittene Unterarme die Folge von falschen Bewegungen gewesen wären. Aus diesem Grund sollte man erst eine enorme Sicherheit durch langes Üben mit Trainingswaffen erlangen, bevor man zu der Nutzung geschärfter Messer übergeht. Dies dauert deshalb naturgemäß einige Zeit, bevor zum nächsten Schritt des Doppelmessertrainings übergegangen werden kann.

Gorden Lu und Marc Debus trainieren MesseranwendungenDas nun folgende Training war für mich der spannendste Teil des Trainings. Unter Verwendung von Trainingswaffen und entsprechender Schutzbekleidung wurde die reale Anwendung der Doppelmesser trainiert. Hierfür können ungeschärfte Trainingsmesser aus Metall oder Polypropylentrainingswaffen benutzt werden. Die Kunststoffwaffen haben sich im Laufe des Trainings als besonders geeignet herausgestellt, da sie ermöglichen mit der entsprechenden Kraft zu trainieren und das Verletzungsrisiko trotzdem gering gehalten wird. Trotzdem sollte man erwähnen, dass Treffer mit den Kunststoffwaffen in ungeschützten Bereichen und bei Krafteinsatz auch in geschützten Bereichen nicht folgenlos bleiben. Blaue Flecken, Schwellungen und schmerzhafte Verletzungen an den Fingern durch Treffer oder das Verkanten der eigenen Waffen muss man hierbei leider in Kauf nehmen.

Das Training hat aber auch Effekte für das waffenlose Training. Bewegungsabläufe, die man im Waffentraining einschleift, lassen sich auch im waffenlosen Kampf umsetzen und gewinnen durch das Training mit den Messern an Präzision und Effektivität. Wie sich auch durch das Langstocktraining Effekte für den Hüfteinsatz und die Kraftausübung im waffenlosen Training aufzeigen lassen, präzisiert das Doppelmessertraining das Zusammenspiel der Arme, verbessert Stabilität und Kraft der Hände und Handgelenke und hat einen großen Einfluss auf das Verständnis von Kampfstrategien.

Hierbei zeigt sich mir, dass die Behauptungen die in den letzten Jahren häufig zu lesen waren, ein Training der Waffenformen des Wing Chun Kung Fu´s sei unnötig, da man weder einen Langstock noch Doppelmesser jemals zum Einsatz bringen könne, als völlig falsch zu bezeichnen sind. Diese Formen und deren Training nehmen einen enormen Einfluss auf die Umsetzungen in den waffenlosen Formen, da der Schüler Trainingseffekte der Waffenformen im waffenlosen Kampf deutlich spüren kann. Krafteinsatz, Genauigkeit und Strategie werden verbessert und zeigen neue Wege des Kämpfens auf.

Mit Sifu Lo Man Kam beim taiwanesischen Kung Fu VerbandDie Behauptung die Waffenformen hätten keinen Nutzen sind vermutlich eher von Leuten aufgestellt worden, die nie in den Genuss gekommen sind, die letzten Formen des Wing Chun Kung Fu Systems erlernen zu können. Leider ist es ein großes Problem, dass der Großteil heute unterrichtender Wing Chun Lehrer keine Möglichkeit hat die Waffenformen des Systems zu erlernen, bzw. selbst keine Lehrer hatten, die die Formen erlernt haben. Deshalb auf die Behauptung auszuweichen, man brauche die Waffenformen des Systems nicht ist allerdings nicht die Lösung dieses Problems. Die Waffenformen gehören sehr wohl zum System dazu und bringen den Schüler auf seinem Weg die Kampfkunst zu meistern in vielen Bereichen enorm weiter. Dies implementiert der Begriff „System“ schon an für sich. Es ist zu hoffen, das Wing Chun Begeisterte diese Möglichkeit auch geboten bekommen und die Zeit der „Geheimnisse“ (sei dies die Legende geheimer Techniken oder die Frage bei wem, bzw. wie viel eines Kampfkunst ein Lehrer selbst erlernt hat)  vorbei ist und unsere Kunst in Gänze weitergegeben wird. Sollte sich dieser Gedanke nicht durchsetzen, wird unser Stil aussterben oder sich durch das Einmischen anderer Kampfstile bis zur Unkenntlichkeit verändern. Ich wünsche mir das nicht und werde auch weiterhin meinen Schülern das gesamte System unterrichten und kann schon heute mit Stolz sagen, dass mehrere meiner Schüler das System unter mir abgeschlossen haben. Ich bin auch weiterhin gerne bereit, wie auch meine Trainingskollegen in den anderen Lo Man Kam Wing Chun Schulen, allen Wing Chun Begeisterten diesen Weg zu ermöglichen, denn es geht darum ein traditionelles System zu erhalten und nicht sterben zu lassen.

 

Marc Debus

 

Wing Chun....eine einfache Kampfkunst?

Wing Chun….eine einfache Kampfkunst?

Als ich anfing Wing Chun zu lernen, dachte ich mit ein bisschen Glück geht es schnell, weil so schwer kann das ja nicht sein….oder sagen wir die Hoffnung begabt zu sein war noch vorhanden. Das endete schnell….Nach einigen Jahren der Suche, Trainingsweisen die nicht immer zusammen passten und mich verwirrten, landeteMarc Debus und Olaf Buschke ich bei Sifu Lo Man Kam…..und er sagte als erstes….“dann fangen wir mal von vorne an“….aber was macht man nicht alles….Leider behinderte mich zuerst der Glaube an vorher Gelerntes sehr, bis Sifu mich auch davon geheilt hat. Seine Erklärungen waren dann zum Glück immer logisch und so ging es in kleinen Schritten vorwärts…..und außerdem war ich nicht allein….Frank, Olaf und Andreas haben mich auf meinem Weg begleitet…..und das war gut so.

Wir haben uns gegenseitig über manche persönliche Krise hinweggeholfen, die bei schwierigen Trainingsschritten auftraten und sicherlich auch dadurch den Willen beibehalten dieses System zu erlernen. Sifu war immer der Situation entsprechend hart was das Training anging und hat nie lockergelassen. Wenn er der Meinung war, dass die Zeit zu kurz ist und wir viel zu üben hatten, dann kamen die Nachmittage zum Training hinzu. Das bedeutete manchmal sieben oder acht Stunden Training am Tag. Zwar war es nicht immer so, aber es war auch nicht die Ausnahme.

Auf diesem Weg gingen auch einige Trainingskollegen verloren, die anfangs auch bereitGorden Lu and Marc Debus waren den Weg unter Sifu Lo Man Kam zu gehen, aber aus unterschiedlichen Gründen aufgegeben haben, als sie an ihre Grenzen (welche auch immer das waren) geraten sind. Für manchen war ein Titel, eine Reputation oder ein Name zum unterrichten des Wing Chun Kung Fu vorrangig und ein wirklicher Lernweg, der zudem auch nicht in ein zwei Jahren zu bewältigen war, eher Zweitrangig. Das konnte uns aber nicht beirren und so trainierten wir weiter.

Es kam die Zeit in der die ersten  unserer Schüler mit nach Taiwan reisten und selbst unter Sifu Lo Man Kam die ersten Trainingserfahrungen machten. Das war in den meisten Fällen eine Bereicherung und wir konnten viele gute Abende während der Trainingsaufenthalte genießen (die wirdann NICHT mit Training  verbrachten). Und so ging es weiter. Jede weitere Form stellte neue Herausforderungen an die mentale oder körperliche Kraft und man freute sich über jeden kleinen Fortschritt den man machte. Manche Bewegungen erforderten hunderte….bzw. tausende von Wiederholungen, bis sie sich gut und anwendbar anfühlten. ….aber irgendwann klappte es immer. Bei dem einen schneller, bei dem Anderen langsamer.  Mehr als einmal spielte ich mit dem Gedanken aufzuhören, wenn mir etwas sehr schwer gefallen ist, aber die Freunde waren immer zur Stelle und bewegten mich zum Weitermachen…..oder ich sie.

Gorden and Marc in Virginia BeachDann kamen die Trainingsaufenthalte bei Sifus Sohn Gorden hinzu. Hier beschäftigte ich mich mit bereits Erlerntem und der Longbridge des Systems. Auch hier war das Training wie in Taipeh. Oft sehr lange und anstrengend, aber immer eine echte Bereicherung. Mit Gorden ist eine echte Freundschaft entstanden und ich freue mich immer wieder auf die Besuche bei ihm und seiner Familie. Auch die Familie von Sifus Tochter Shirley und ihrem Mann Charly, der mit mir zusammen viele Trainingsstunden verbracht hat, haben mich immer herzlich willkommen geheißen. Die Aufnahme in die Familie durch die Teezeremonie bei Sifu Lo Man Kam, hat dieses familiäre Verhältnis nur noch untermauert.

So folgte weiterhin Form nach Form und Anwendungstraining nach Anwendungstraining. Unzählige Abende der Diskussion über Techniken, Winkel, Druckverhältnisse, Kontermöglichkeiten, Strategien und Positionen….und letztendlich auch der Tag, an dem Sifu verkündete das Training sei abgeschlossen. Es dauerte Tage bis wir dies auch nur annähernd realisiert hatten. Nach 15 Jahren war dies schier unglaublich…Yoda hätte gesagt „Meister du bist“.

Trotz allem ist dies nicht das Ende ….im Training mit Sifu Lo Man Kam oder seinem SohnSifu Lo Man Kam mit Andreas und Marc Gorden Lu, den Mitschülern und Freunden lernt man stetig dazu….neue Wege, Ideen und Trainingspartner stellen immer wieder Inspirationen dar und werden dies auch in zwanzig Jahren noch tun….und das freut mich sehr, weil Stillstand den Tod der Kunst bedeuten würde. Sich auf einem Titel auszuruhen oder zu glauben, das Ende des Formentrainings würde einem zum Großmeister machen wird einem bestimmten Charakterzug von Mensch vorbehalten bleiben. Ich für meinen Teil freue mich über jede Inspiration, die mir neue Wege zeigt die Bewegungen der Kunst die ich gelernt habe zu verwenden….und daran werde ich wohl auch nie den Spaß verlieren.

20 Jahre Weg

20 Jahre Weg – Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Wing Chun Welt

 

Seit 1992 beschäftige ich mich mit der asiatischen Kampfkunst Wing Chun, die vor allem durch meinen Sigung (Großvater im System) Yip Man zu großer Bekanntheit gekommen ist. Ich unterrichte das System seit 1996 und habe seitdem vieles gesehen und gelernt, dass ich nun in einem kurzen Bericht darstellen möchte.

Taiwan 2001Als ich angefangen habe Wing Chun zu unterrichten, habe ich meinen Meister, Lo Man Kam (Neffe und langjähriger Schüler Yip Man´s) noch überhaupt nicht gekannt. Ich habe ihn erst Ende 1996 auf einem Lehrgang kennengelernt. Ich war der festen Überzeugung, dass ich bereits weit fortgeschritten war, beim Erlernen des Stils. Im Lehrgang machte ich dann Erfahrungen, die ich so noch nicht kannte. Es wurden Bewegungen und Basics erklärt, die mich vieles verstehen ließen, was mir vorher nicht erklärt werden konnte. Dies setzte einen Denkprozess in Gang, der mich 1999 mit meinen beiden Freunden Olaf Buschke und Andreas Zerndt dazu brachte, bei Lo Man Kam anzufragen, ob er uns als Schüler unterrichten wolle. Zum Glück war die Antwort positiv und das brachte einen weitern alten Trainingspartner und Freund, Frank Kuhnecke, hinzu.

Es folgte die Zeit des Lernens, die ich bereits mehrfach beschrieben habe und schließlich der Abschluss des Systems mit der Beendigung der Doppelmesserform. In all den Jahren habe ich meine Kampfkunstschule weiter geführt und mir die Entwicklungen bei meinen Schülern angesehen. Hierbei habe ich viele Veränderungen wahrgenommen.

Viele dieser Erfahrungen decken sich mit Erfahrungen, die Meister anderer Kampfkünste gemacht haben und mit denen ich mich über diese Phänomene ausgetauscht habe. Hierbei nenne ich gute Freunde wie Jürgen Kippel, Mario Pestel und Christian Kronmüller, die ihre Stile auch heute noch erfolgreich in eigenen Schulen unterrichten. Aber was hat sich verändert? Als erstes finden sich weniger Schüler, die sich der Kunst mit Herz und Seele verschreiben. Früher habe ich selbst 6-7 Tage die Woche jeweils 2 Stunden trainiert – und ich war da nicht die Ausnahme. Der harte Kern waren dabei mindestens zehn Leute. So war das auch später in meinen eigenen Schulen. Schüler mit Interesse an der Kunst, die bedingungslos eintrainierten, was sie gezeigt bekommen haben. So wie wir es selbst in Taiwan bei Lo Man Kam auch erfahren und umgesetzt haben. Die Erkenntnis, wofür man bestimmte Bewegungsabläufe braucht kam dabei von alleine. Sifu hat einmal zu mir gesagt, dass der Meister weiß, wen er was trainieren lässt und warum. Es sei die Aufgabe des Lehrers einen Schüler durch individuelle Aufgaben zu fördern und so sicher zu stellen, dass sie ihr Kung Fu entwickeln können.

Die Erfahrung der letzten Jahre sagt, dass dieser harte Kern in allen Schulen kleiner geworden ist. Ebenso die Schüler, die nicht bei jeder Technik fragen warum sie etwas machen sollen, bzw. warum der andere etwas anderes trainiert als sie selbst. Das Vertrauen, dass der Lehrer weiß, wohin der Weg gehen soll ist bei vielen nicht vorhanden und Trainingsinhalte werdenimmer häufiger in Frage gestellt – und das ist leider nicht nur in Kampfkunstschulen so. Ein Highlight war ein Schüler, der mir erklärte er bezahle für eine Dienstleistung und entscheide selbst was er lernen wolle. Ich habe ihn für diese Einstellung gelobt und gebeten sich eine Schule zu suchen, die ihm dies ermöglichen kann – er trainiert heute woanders.

Ebenso ist die Anzahl der Trainierenden deutlich gesunken. In den letzten Jahre haben Schüler im ersten Training häufiger die Frage gestellt, wie lange sie trainieren müsse umTrainierende sich verteidigen zu können (bzw. unbesiegbar zu sein!!! ). Diese Frage beantworte ich immer gerne mit dem Satz, es käme immer darauf an, wie oft sie zum Training erscheinen würden. Manch einem dieser Schüler habe ich dann nach drei Monaten sagen müssen, dass sie bei der unregelmäßigen Trainingsbeteiligung wohl Jahrzehnte brauchen werden. Aber es gibt auch immer noch die Anderen, die gerne und viel trainieren und deren Trainingserfolge geben der traditionellen Lehrmethode immer wieder Recht. Ein Irrglaube der heutigen Zeit ist, dass man durch das Anziehen eines Helmes und Faustschützern und Sparring ohne Technik zu einem guten Kämpfer werden würde – den Erfolg solcher Trainingsweisen müssen die Leute dann oft bitter in Auseinandersetzungen auf der Straße oder in der Disco erfahren.

Kung Fu ist harte Arbeit, so ist es zu übersetzen und so wird es bleiben. Es gibt keine schnellen Erfolge und keine Systeme, die man in einem Jahr erlernt. Schülerzahlen steigen immer dann, wenn neue Kampfkunstfilme durch die Kinos ziehen, sie sind aber nicht nachhaltig und nach einem Jahr ist wieder alles wie es war. Beim jedem Kampfkunsttraining muss man sich anstrengen, nicht nur körperlich, sondern auch mental. Im Zeitalter der schnellen Erfolge ist ein traditionelles Kampfkunstsystem fast schon wie eine Meditation zu sehen. „Back tot he roots“, um durch harte Arbeit nachhaltige Erfolge zu erzielen – und man lernt dabei nicht nur sich zu verteidigen, sondern es ist ein befriedigendes Gefühl eine traditionelle Kampfkunst wie das Wing Chun Kung Fu dadurch weiterhin bewahren zu helfen.

M.Debus

Traditionen in den Kampfkünsten

Traditionen in den Kampfkünsten

 

Immer wieder stellt sich in den Kampfkünsten die Frage nach der Tradition. Mit diesem Oberbegriff werden verschiedene Lo Man Kam in the eightiesVerhaltensweisen, Rituale und Regeln impliziert. Mancher Kampfkunst betreibende und auch gar mancher Lehrer glauben, dass dies ein Merkmal dafür ist, eine Kunst authentisch, "traditionell" zu erlernen. Aber ist das wirklich so? Gibt es diese "Traditionen" die wir in manchen westlichen Kampfkunstschulen finden in China auch? Gehört dieses Verhalten in chinesischen Kampfkunstschulen zu den normalen Verhaltensweisen? Ist das bei allen chinesischen Kampfkunststilen so, oder gibt es auch da Unterschiede?

Wichtig erscheint mir, dass das Hauptaugenmerk auf der Kunst, dem Stil an sich liegt und auf der Art und Weise wie diese weitergegeben wird. In meinem Stil, dem Wing Chun Kung-Fu, bemühen wir uns vor allem um eine traditionelle Art der Vermittlung. In diesem Zusammenhang spreche ich über die Kung-Fu Linie meines Sifu Lo Man Kam. Alle direkten Schüler von Sifu Lo Man Kam, die in seinem Namen Schulen betreiben dürfen, versuchen Techniken, Übungswege und Formen so weiterzugeben, wie sie es von unserem Sifu vermittelt bekommen haben. Daran, dass es kaum Unterschiede zwischen Schulen gibt, die in ständigem Kontakt zu Sifu Lo stehen, zeigt sich, dass dies so weitervermittelt wird, wie es von ihm erlernt wurde. Seinen Schulleitern und Instructoren lässt Lo Man Kam aus diesem Grund etwas zukommen, dass er im normalen Unterricht nicht vermittelt. In seinen Worten: " I show you how to teach the System".

Sollten wir Unterschiede in Übungen feststellen, haben wir immer die Möglichkeit dies bei Sifu direkt zu hinterfragen. Es erscheint logisch, dass verschiedene Schüler verschiedene Dinge erklärt bekommen, da jeder individuelle Fehler beim Lernen gemacht hat, die er korrigiert bekommen hat. Durch diesen Umgang entsteht eine Gemeinschaft, die sich um Erhalt und Weiterentwicklung eines traditionellen Lehr- und Lernsystems bemüht. Dadurch entsteht das, was gemeinhin als Familiensystem bezeichnet wird. Positiv sind auch Kontakte zu befreundeten Kung-Fu Brüdern unseres Sifu Lo Man Kam, dieLo Man Kam and Duncan Leung wie er Unterricht bei seinem Onkel Yip Man erhalten haben. Dabei ist es uns möglich auch deren Ansicht über Techniken, Formen und Übungswege mit in Überlegungen einzubeziehen. Besonderer Dank gilt hier Sifu Wang Kiu und Sifu Duncan Leung, die verschiedenen Mitgliedern unseres System immer wieder Einblicke in ihre Ansichten und Trainingsweisen gewähren. Dadurch hat sich im Laufe der Jahre gezeigt, dass Konzepte, Ideen und Vorgehensweisen des Systems von den Schülern Yip Mans grundlegend gleich aufgefasst werden. Die daraus entstehenden Vorgehensweisen allerdings sehr individuell sein können. Dies erklärt sich vor allem dadurch, dass das System keine festgelegten, zusammenhängenden Kampftechniken vermittelt. Wing Chun Kung-Fu Anwendungen entstehen aus der Kombination verschiedener Einzelbewegungen, wie Tan Sao, Lap Sao etc. die sich frei und situationsbezogen kombinieren lassen. Dadurch entsteht eine unendliche Zahl von Kombinationsmöglichkeiten, die eine "Weiterentwicklung" des Systems unnötig macht, da bereits eine solche Freiheit bei der Umsetzung besteht, dass jeder nach seinen Voraussetzungen optimale Trainingsergebnisse erzielen kann, wenn sein Lehrer diese individuelle Entwicklung anhand der Grundkonzepte des Systems zulässt.

Auch in unserem Stil gibt es Schulen, die verschiedene Rituale als Tradition innerhalb ihrer Linie ansehen. Die einen verneigen sich vor den Bildern ihrer Meister, oder führen andere Rituale im Unterricht durch. Ich persönlich halte dies nicht für grundlegend falsch, da hier Lo Man Kam in TaipehStilbegründern und Personen die sich um die Kampfkunst verdient gemacht haben Ehre erwiesen wird. Falsch wäre es allerdings anzunehmen, dass dies eine grundlegende Tradition im Wing Chun Kung-Fu sei. In der Schule Yip Mans hing nach Angaben seiner Schüler kein Bild seines Meisters, dem Ehre erwiesen wurde. Ebenso wenig ist dies in der Schule von Lo Man Kam oder in der damaligen Schule von Wang Kiu der Fall gewesen. Lo Man Kam hat ein Bild seines Onkels in seinem Wohnraum hängen und hat in seinem Logo an der untersten Spitze ein Blatt (Yip) eingefügt, dass symbolisiert, dass hier die Wurzel des Stiles liegt. Alle mir bekannten Yip Man Schüler haben immer mit Ehrfurcht und Respekt von ihrem Sifu geredet. Dies halte ich für eine wahre Tradition, dem Meister, der einem das Wissen um die Kunst näher bringen konnte zu ehren und dies gegenüber den eigenen Schülern entsprechend zu äußern. Ich selbst habe erst mit Sifu Lo Man Kam jemanden kennen gelernt, der mir Ideen und Konzepte des Systems durch Übungen und Gespräche vermitteln und näher bringen konnte. Deshalb war er auch der Erste, der dem Begriff Sifu im Sinne von väterlicher Lehrer, gerecht geworden ist. Lehrer, die ich vorher hatte waren zu einer erklärenden Vermittlung des Systems nicht in der Lage, da ihnen diese "Tradition" fehlte, da niemand über einen längeren Zeitraum Unterrichtskonzepte des Wing Chun Kung-Fu an sie weitergegeben hatte.

Schaut man auf verschiedene alte Bilder aus der Schule Yip Mans sieht man das die Trainingsbekleidung aus einem weißen Hemd und schwarzen Hosen bestand. Diese Farbkombination hat sich in vielen Schulen erhalten, so auch in den deutschen Lo Man Kam Schulen. Yip Man selbst trug meist traditionelle chinesische Kleidung (chinesische Roben), die er auch in seiner Schule während des Unterrichts trug. Dies war allerdings keine festgesetzte Kleiderordnung. In der Schule von Sifu Lo Man Kam gibt es auch keine Kleiderordnung. Taiwanesen und ausländische Schüler tragen die verschiedensten Kleidungsstücke in den verschiedensten Farben während des Trainings. Einige tragen die Trainings T-Shirts der Lo Man Kam Federation Taiwan, andere nicht. Sifu selbst trägt verschiedenste Trainingsbekleidung während des Unterrichts, je nach Temperatur und Wetter.

Aus alle dem ergibt sich, dass ein traditionelles Auftreten noch lange nicht die traditionelle Vermittlung einer KampfkunstAndreas Zerndt, Lo Man Kam and Marc Debus in Taipeh garantiert. Traditionelle Kleidung macht keinen traditionellen Meister, eine Verneigung vor einem Bild macht noch lange keine echte Ehrerbietung gegenüber einem Meister aus. Verehrung für Kunst und Meister sollte vielmehr durch die Lehre an sich stattfinden, die Vermittlung, die Intensität des Trainings und die eigene Bereitschaft sich mit der Kunst auseinanderzusetzen.

Meiner Meinung nach sollte sich das Wort Tradition in den Kampfkünsten vornehmlich auf den Erhalt der Systeme richten. Zeremonien, Kleidungsvorschriften und Regeln, die nur am Rande mit der essenziellen Kampfkunst zu tun haben, sollten jeder Schule und jedem Lehrer selbst überlassen sein. Die Verantwortung der Tradition liegt bei dem Lehrenden und seinem Bemühen die Kunst unverfälscht weiterzugeben. Es gibt Kampfkünste bei denen das Tragen traditioneller Kleidung unumgänglich ist, da z. B. verwendete Waffen in dieser Kleidung getragen wurden. Im Bereich des Wing Chun Kung-Fu halte ich persönlich es nicht für nötig, traditionelle chinesische Kleidung zu tragen. Sifu Lo Man Kam unterrichtet in den meisten Fällen ebenfalls in normaler Trainingsbekleidung und Turnschuhen. Auf Seminaren trägt er einen in Taiwan gefertigten Kung-Fu Anzug, den er in seinem Unterricht allerdings nicht trägt.

Es drängt sich hierbei der Verdacht auf, dass sich Personen den Bereich der Kampfkunst ausgesucht haben, um damit ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dabei scheint der Laie, durch chinesisches Auftreten und den Flair, leicht über die eigentlichen Fähigkeiten eines Lehrers täuschen zu lassen, da das Bild einer authentischen Kung-Fu Schule durch Filme und Mythen geprägt, glaubhaft vermittelt werden kann.

Glücklicherweise ist die Anzahl der schwarzen Schafe gering und ich bin erfreut in den letzten Jahren Meister vieler Stile in Deutschland kennen gelernt zu haben, die sich intensiv mit ihren Künsten unter Führung ihres Meisters auseinandergesetzt haben. Man kann also die Hoffnung haben, dass der Satz von Sifu Lo Man Kam, den er einst in Bezug auf einen Video sagte, meistens nicht zutreffen wird: "Looks like Kung-Fu, but is no Kung-Fu"

© Marc Debus

Erlebnisbericht zum Training in der Lo Man Kam Federation in Taiwan

Unterricht beim Neffen des berühmten Yip Man

 

Lo Man Kam teachs Marc DebusWie ist das Training in einer der Schulen, die noch von einem langjährigen Schüler des berühmten Großmeisters Yip Man geführt werden? Diese Frage hat sich sicher mancher Kampfkünstler bereits gestellt. Lo Man Kam hat nicht nur 10 Jahre Training bei Yip Man genossen,  sondern er ist auch noch der Neffe des letzten Großmeisters. Erste Eindrücke und Training erhielt er bereits in Foshan, Zentralchina, als er noch ein Junge war und Yip Man noch nicht in Hong Kong lebte. Zur damaligen Zeit lebte Lo Man Kam mit seiner Mutter und seinem Onkel auf einem Hof in dieser Provinz.  Später hatte er zehn Jahre Unterricht in einer der Schulen Yip Man´s in Hong Kong.

 

Sifu Lo berichtet manchmal darüber, wie das Training bei seinem Onkel gewesen ist, oder er erklärt eine Technik und sagt den Schülern, was sein Onkel damals dazu gesagt hat. Im Sommer diesen Jahres, wie eigentlich immer in dieser Zeit, weilten Sifu Marc Debus und Sifu Dr. Frank Kuhnecke von der German Lo Man Kam Wing Chun Association zum Training in Taipeh und berichten einiges vom Training vor Ort. Es ist also bei Weitem nicht das erste Mal, dass sie in der Schule ihres Sifus trainieren.

 

Das Training in Sifus Schule ist in zwei Trainingseinheiten unterteilt. Morgens von 10.00 bis 12.00 Uhr findet die „Morning class“ statt, die nicht so gut besucht ist wie die „Evening class“ von 20.00 bis 22.00 Uhr. In dieser Zeit wird viel Chi Sao trainiert und mit anderen zusammen an Formen und Kampftechniken gearbeitet. An den Nachmittagen gibt Sifu seinen deutschen Schülern, die auch in seinem Haus leben, häufig noch zusätzlich eine bis zwei Stunden Unterricht, um die Zeit des Aufenthaltes trainingsintensiv zu gestalten. Hierbei legt er viel Wert auf die Ausführung der Formen und korrigiert viele Details der einzelnen Techniken, damit sein Kung Fu in allen Feinheiten in Deutschland weitervermittelt werden kann.

 

Sifu kümmert sich intensiv um alle Schüler während der Trainingsklassen. Er korrigiert ständig Studenten und läuft zwischen den Trainierenden umher um das Training aller im Blick zu behalten. Er erklärt unermüdlich, wenn er das Gefühl hat eine Technik verbessern zu können. Manchen Schülern gibt er spezielle Aufgaben, um ihnen zu helfen einen Fehler zu beseitigen. Dies kann manchmal anstrengend sein, da Sifu Lo Man Kam erst dann ein weiteres Trainieren erlaubt, wenn er sieht, dass eine solche Übung verstanden worden ist und nun korrekt ausgeführt wird.

 

Als besondere Anstrengung kommen die klimatischen Bedingungen hinzu. Oft betragenTrainingsgroup Taipeh - Lo Man Kam Federation die Temperaturen zwischen 38 und 40 Grad. Alle ausländischen Schüler sind eine solche Hitze beim Training nicht gewohnt. Man benötigt viel Wasser um dem Flüssigkeitsverlust entgegenzuwirken. Hinzu kommen eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit und die Tatsache, dass es sich in der Nacht kaum abkühlt. In diesem Jahr konnten Marc Debus und Frank Kuhnecke zusätzlich noch einen starken Taifun in Taipeh erleben, der die Heimreise fast verhindert hätte. An einem der Tage war der Sturm so stark, dass kein Training auf dem Dach, wo sich Sifus Schule befindet, möglich war. Eine kleine Gruppe von 5 Personen trainierte stattdessen im Wohnzimmer von Sifu Lo Man Kams Wohnung. Auch andere Naturereignisse konnten wir schon in Taiwan erleben. Im Jahr 2009 wurden wir mit unserem Verbandskollegen Olaf Buschke des Nachts Zeuge eines starken Erdbebens, was die Gebäude in der Innenstadt wanken ließ.

 

Informationen finden sich auf der Internetseite der German Lo Man Kam Wing Chun Association : www.lomankam.de und auf unserer Facebook Seite unter: https://www.facebook.com/lomankam.german.association

Interview mit unserem bereits verstorbenen Sisuk Wang Kiu, dem jüngeren Kung Fu Bruder von Sifu Lo Man Kam

Ein Interview mit Sisuk Wang Kiu

 

Das Interview wurde am 12.03.2005 von Marc Debus in der Wohnung von Sisuk Wang Kiu in Holland durchgeführt. Das Interview wurde in englischer Sprache gemacht und wir veröffentlichen hier einen 20 minütigen Auszug aus dem zweistündigen Interview. Das Interview wird zu späteren Zeitpunkt als DVD erhältlich sein. Wir freuen uns Sisuk Wang Kiu ,nach seinen Aufenthalt in China, in so guter gesundheitlicher Verfassung angetroffen zu haben. Gleichzeitig danken wir Wang Kiu und Ping, dass sie uns die Möglichkeit gegeben haben ein angenehmes Wochenende in ihrem Haus zu verbringen.

 

Wir möchten uns bei Sisuk Wang Kiu als erstes Bedanken, dass wir dieses Interview in seinem Haus durchführen können und freuen uns, dass er uns Informationen über seine Zeit in der Schule Yip Man´s geben möchte .Danke Sisuk!

 

Nun zur ersten Frage, Wann hast Du mit dem Training unter deinem Meister Yip Man begonnen und wie?

Als ich in meinem Büro arbeitete, das war im Jahr 1952 oder 53, traf ich Wong Man, der ein Cousin von Wong Shun Leung war, der mir von einem Kampfkunstmeister berichtete. Er wusste, dass ich an diesen Dingen interessiert war, da ich zu dieser Zeit den Tang Lang Stil erlernte. Er erzählte mir, das dieser Mann aus China komme und in seinem Stil, der Wing Chun heiße, ebenfalls „klebende Hände“ unterrichte, wie im Tang Lang Stil.

Schließlich brachte er mich zu Yip Man, der im „Third prince“ Tempel zu dieser Zeit Unterrichtsstunden gab. Ich sah dort erstmals Yip Man mit drei Studenten Übungen machen, von denen ich damals nicht wusste, was dies war. Heute weiß ich das es das Chi Sao des Wing Chun war. Da es Ähnlichkeiten zu meinem Kung Fu hatte war ich gleich interessiert.

Nach dem Training ging ich deshalb mit Yip Man in ein Teehaus. Wir unterhielten uns über den Stil und die Schulpreise. Nach diesem Abend ging ich erstmals zu seinen Stunden in den Tempel, da er mich als Schüler akzeptiert hatte.

 

Sisuk, wie lange hast Du bei Yip Man gelernt?

Zweieinhalb Jahre, vielleicht etwas länger. Danach noch einige Male kurzzeitig. Ich traf Yip Man aber häufig, trank Tee mit ihm und sprach mit ihm über die Kampfkunst. Wing Chun wurde zu dieser Zeit immer bekannter und man konnte täglich Artikel darüber in der Zeitung lesen. So wuchs die Schule von Yip Man auch ständig.  Zu meiner Zeit hatte ich nicht sehr viele Stunden in dem Tempel, da die Luft auf Grund des Räucherwerkes mir große Probleme machte. Ich bat Yip Man um Privatstunden. Es ergab sich die Gelegenheit, dass ich zwei Brüder kannte, deren Vater eine Konstruktionsfirma hatte und die ebenfalls Interesse am Unterricht hatten. So nahmen wir zusammen in einer Halle der Firma ab da an unsere Stunden. Deshalb kannte ich auch nicht sehr viele der anderen Schüler dieser Zeit.

 

Wing Chun Lernende sind heute besonders interessiert etwas über die Dauer des Trainings zur damaligen Zeit zu erfahren. Wie lange brauchte man um das ganze System zu lernen? Sisuk, kannst Du uns darüber einige Informationen geben?

Es ist schwer dafür eine Definition abzugeben, weil es Unterschiede in Trainingsintensität und Besuch der Schüler gab, wie heute auch. Deshalb ist es schwer eine allgemeingültige Aussage zu treffen.

 

Das ist verständlich. Wie lange hast du persönlich gebraucht?

Das gesamte System? Alle Formen? Ungefähr eineinhalb Jahre.

 

Das Chi Sao und der Unterricht des Chi Sao war so, wie Yip Man es von seinem Lehrer gelernt hatte?

(Lacht) Ich habe seinen Lehrer niemals gesehen und kann deshalb auch dazu nichts definitives sagen. Ich kann aber sagen, dass wir das Chi Sao alle auf dem selben Weg gelernt haben. Zuerst kommt das einarmige Chi Sao oder „Dan Chi Sao“,  Dann arbeitete man eine Zeit an dem beidarmigen Rollen „Poon Sao“.  Dies ist besonders wichtig, da es die Muskulatur für die späteren Bewegungen trainiert. Es macht einem flexibel und durch das Chi Sao schult man sein Gefühl. Das ist auch wichtig in Bezug auf die vorherigen Fragen. So viel Gefühl wie ein Schüler hat, bzw. für die Bewegungen bekommt, bestimmt seine Lerngeschwindigkeit. Wenn Du faul bist brauchst Du 20 Jahre (lacht).

 

Sisuk, wir erinnern uns an eine Geschichte, die du uns vor einiger Zeit einmal erzählt hast, die wir aber gerne noch einmal hören würden. Wie hast du die ersten Bewegungen der Wing Chun Holzpuppe von Yip Man gelernt?

Wir trainierten ja meisten am Abend, von 19 bis 21 Uhr. Meistens gingen wir danach gewohnheitsmäßig in ein Teehaus um Tee zu trinken und einige Kleinigkeiten zu essen. Wir sprachen dort oft über theoretische oder historische Fragen der Kampfkunst.  Das war so, weil man in der Schule kaum Zeit zum reden hatte, sondern nur Zeit zum trainieren. Meistens waren im Teehaus nicht mehr als zwei  der drei Schüler anwesend. Als ich begann die „Cham Kiu“ Form zu erlernen, sagte er eines Abends im Teehaus zu mir: „Wang Kiu, möchtest Du ein wenig von der Holzpuppenform erlernen?“ Ich war erstaunt, da es zu dieser Zeit keine Holzpuppe in der Schule gab.  Später gab es dann in der Schule eine Holzpuppe, was man heute auch auf Bildern sehen kann. An diesem Abend saß er mir gegenüber, hatte die Beine untergeschlagen und  Machte mir die ersten Bewegungen vor. Erste Bewegung, Huen Sao, zweite Bewegung, Ziehen des Nackens, dritte Bewegung, Bong Sao usw. So brachte er mir die ersten Bewegungen bei, indem ich diese ihm gegenüber sitzend spiegelte und mehrmals mit ihm zusammen wiederholte. Als er mich das erste Mal gefragt hatte, kurz vorher, ob ich Holzpuppe lernen wollte, war ich überrascht. Ich fragte ihn ob ich überhaupt so weit sei und er antwortete mit ja. Er sagte: „Selbstverständlich kannst du dies nun lernen“. Heute ist mir dies verständlich, da alle Bewegungen die nötig sind um den Beginn der Holzpuppe zu erlernen in der ersten Form enthalten sind.

 

Sisuk, wie viele Bewegungen hat die Wing Chun Holzpuppe?

Die Holzpuppe hat 108 Bewegungen, die Yip Man mir in Unterteilungen von zehn gezeigt hat. Die erste Form hat ebenfalls 108 Bewegungen,. Dies basiert auf einer alten Geschichte. Es gibt ein altes chinesisches Buch, über 108 Revolutionäre, die alle ihre Namen in diesem Buch verewigt haben. Diese Geschichte begab sich in der Chung Dynastie. Man suchte nach diesen 108 Männern, weil die Regierung sie als Banditen verfolgte. Man stellte sie alle und tötete sie. Diese Männer wollten aber immer das Wohl des Volkes. Um dieser alten Helden zu gedenken wurden die Formen in 108 Bewegungen unterteilt.

 

In der Biu Tze Form ist dies allerdings anders, warum?

Ja, hier ist es anders. Die erste Form lehrt einem die Mitte, die zweite Form lehrt einem den Kontakt, die Brücke, zum Gegner zu finden. Die Siu Lim Tao ist die Basis des gesamten Systems. Sie lehrt die Zentrallinie. Wenn aber etwas außerhalb dieser Mitte ist, muss es etwas geben, um dies zu kompensieren. Die Biu Tze Form beschäftigt sich nicht mit dem „Raum“, der als Unterrichtsinhalt der ersten beiden Formen gewählt wurde, sondern man lernt nun seitwärts zu schlagen, um eventuellen Angriffen auf diesen Linien ebenfalls begegnen zu können. In der Siu Lim Tao steht man dem Gegner gegenüber, in der Cham Kiu richtet man sich auf den Gegner aus, in der Biu Tze lerne ich nach dem Gegner zu schlagen, wenn er nicht auf meiner Zentrallinie steht. Die Form gibt einem einen Weg, etwas zu tun, wenn die Zentrallinie verloren wurde. Man schafft sich hier den Raum, um die Zentrallinie Zurückzugewinnen.

 

Interview mit Sifu Gorden Lu, dem Sohn von Lo Man Kam

Ein Interview mit Sifu Gorden Lu

 

Das Interview wurde am 18.08.2004 in Hsinchu (Republic of China) in der Wohnung von Gorden Lu gemacht. Nach dem Interview trainierten der Interviewer Marc Debus und  Dr. Frank Kuhnecke mit ihrem Sihing (älterer Kung Fu Bruder) zusammen mit seinen Studenten in dessen Schule.

 

Marc Debus: Gorden, wann hast Du angefangen das Wing Chun System zu erlernen?

 

Gorden Lu: Ich habe im Alter von 15 Jahren angefangen Wing Chun in der Schule meines Vaters zu erlernen.

 

Marc Debus: Was sind deine Pläne für die nähere Zukunft?

 

Gorden Lu: Ich gehe wieder nach Amerika und werde in Virginia Beach eine Wing Chun Schule eröffnen. Dort werde ich dann im Namen meines Vaters Wing Chun an meine Schüler weitergeben

 

Marc Debus: Gibt es Gründe warum Du gerade nach Virginia Beach gehen wirst?

 

Gorden Lu: Ja mehrere Gründe (lacht).  Erstens unterrichtet niemand das Wing Chun System dort. Zweitens hat Duncan Leung, der dort früher eine Wing Chun Schule hatte, und Chow Gar Meister Lee mich gebeten dort zu unterrichten. Drittens habe ich dort mit Sifu Duncan Leung trainiert und seine Schule in der Zeit von August 1994 bis August 2000 geleitet, als er nicht anwesend war. Viertens ist es sehr schön in Viginia Beach und meine Frau ist bereits dort.

 

Marc Debus: Was macht deiner Meinung nach das Wing Chun zu einem außergewöhnlichen Kampfkunstsystem

 

Gorden Lu: Wing Chun fordert den Trainierenden auf mehreren Ebenen. Wing Chun trainieren bedeutet nicht nur vorgegebene körperliche Drills und Übungen durchzuführen, sondern es erfordert auch ein mentales Training um diese Abläufe zu verstehen und in anderen Situationen umsetzen zu können.

 

Marc Debus: Denkst Du, dass das Wing Chun System noch zeitgemäß ist?

 

Gorden Lu: Absolut, die Menschen heutzutage arbeiten hart, sie brauchen nicht nur körperliche Übungen um ihrem Streß abzubauen und einen Ausgleich zu sitzenden Tätigkeiten zu finden, sondern es ist auch hilfreich eine andere Art des Denkens zu trainieren um wirklich Entspannung zu finden.

 

Marc Debus: Gorden, könntest Du versuchen das näher zu erläutern?

 

Gorden Lu: Gut. Ich erkläre es Euch anhand dieser beiden Kaligraphien (er führt uns zu den Kaligraphien). Diese eine hier besagt „Bewegunslosigkeit ist wie ein still sitzender Hase“. Die andere hier sag t “Bewegung ist wie ein Tiger“. So arbeitet das Wing Chun System. Warten, still sitzen, bedeutet denken, analysieren und vorbereiten, auch in einer Kampfsituation, man benötigt  manchmal Stille um zu sehen was als nächstes kommt. Agieren, kämpfen bedeutet wild und vernichtend zu sein, wie ein kämpfender Tiger. Unser System arbeitet so, wenn wir agieren tun wir dies schnell und präzise, ansonsten warten wir ab und bereiten uns auf die Situation vor, die kommen wird. Action muß immer kraftvoll sein, um seine Träume verwirklichen zu können. Dieses einfache Prinzip des Wing Chun Systems lässt sich auch leicht auf unser übriges  Leben anwenden.

 

Marc Debus: Danke Gorden, diese Erläuterung ist sehr gut nachzuvollziehen. Was palnst Du sonst noch zu tun?

 

Gorden Lu: (Lacht) Ich werde nach Deutschland kommen um meine jüngeren Kung Fu Brüder zu besuchen um mit ihnen zu trainieren und eine gute Zeit zu verbringen.

 

Marc Debus: Das freut uns natürlich sehr. Noch eine abschließende Frage: Unterscheidet sich dein Unterricht sehr von dem deines Vaters?

 

Gorden Lu: Natürlich habe ich eigene Ideen, aber ich versuche immer das Kung Fu so weiterzugeben wie ich selbst es erlernt habe. Natürlich benutze ich in meinem Training auch Elemente, die Sifu Duncan Leung mir  vermittelt hat und die ich für gut halte. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es einfach ist Schülern vorgegebene „Kampfdrills“ beizubringen, man aber dadurch das Gefühl das im Wing Chun System so wichtig ist nicht erlernen kann. Das Chi Sao (klebende Hände – Übungsform im Wing Chun) ist dagegen sehr schwer zu vermitteln. Vielen Praktizierenden fehlt die Geduld und die Ausdauer sich intensiv mit dem Chi Sao zu beschäftigen. Es ist schwer ohne körperliche Kraft zu arbeiten und zu lernen die Kraft des Gegners zu nutzen, wenn er sie einsetzt. Auch hier lässt sich das Prinzip der beiden Kaligraphien wieder anwenden. Diese Erfahrungen versuche ich in meinen Unterricht einzubauen und weiterzuvermitteln.

 

Marc Debus: Gorden, Ich danke dir für dieses Interview und hoffe, dass wir deinen Besuch in Deutschland bald erwarten dürfen. Ich und  die anderen würden uns sehr freuen, wenn Du deine Erfahrungen auch an unsere Schüler  in Deutschland weitergeben würdest.